Replikate Schuhfunde
Schuhfund

Replikate verschiedener Schuhfunde

Vielen in der Wikingerszene ist der Wendeschuhmacher Gjalt de Wabbere ein Begriff. Er ist bekannt dafür, hervorragende Wendeschuhe gebaut zu haben. In jahrelanger Recherche und Experimente hatte er es geschafft, den Originalfunden so nah wie möglich zu kommen, weil er den Schnittmusterbau hierfür beherrscht, den er sich selber angegeeignet hatte. Leider mußte er aus gesundheitlichen Gründen dieses Hobby aufgeben. Damit aber nicht alles umsonst war, stelle ich im Einverständnis mit ihm einige seiner Replikate hier ein, die ich von seiner Seite übernommen habe. Ihm verdanke ich auch viel vor allem theoretisches Wissen hierüber.

Bevor ihr euch die Replikate anseht, möchte ich noch folgendes aufklären:

Es gibt zwei grundlegende Fehler der Interpretation, die die meisten begehen, weil sich nur die Bilder und Zeichnungen angesehen, aber anscheinend nicht die Texte vollständig gelesen werden.

Fehler 1: Bei Stiefel mit Knebelverschluß liegen diese nicht! auf der Fußaußenseite, sondern immer auf der Fußinnenseite. Auch bei den Stiefeln von York/England.

1) Die Lederfunde von Haithabu von Willy Groenman-van Waateringe, Wacholtz-Verlag:

Seite 27: "Die Unterscheidung zwischen linkem und rechtem Schuh erfolgt nach der Lage der Seitennaht, die sich erfahrungsgemäß immer an der Innenseite des Fußes befindet. ... Überdies scheint sich bei einseitig angeschnittenen Sohlen die Verbindungsnaht zum Oberleder immer am Innenfuß zu liegen.

Seite 70 (direkt vor den Tafeln): "Bis auf einige eigens gekennzeichnete Ausnahmen zeigen die Zeichnungen das Leder sämtlich von der Fleischseite. ... Die Rekonstruktionen zeigen das Leder sämtlich von der Narbenseite, also von der Seite, auf der es tatsächlich auch getragen wurde."

2) Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York, by Quita Mould, Ian Carlisle and Esther Cameron, Vol. 17: The Small Finds:

Seite 3302: "A large group of distinctive ankle-shoes fastended with flaps and toggles over the instep were found at the sites under considertation here, and elsewhere in York. Though varying slightly in aspects of construction, they all comprised an upper of fundamentally one-piece construction closed with a single side seam at the vamp wing on the inside of the foot. ... Complete examples of shoes of this style show that the fastenings and the single seam were placed on the inside of the foot though one would have thought that practicality dictated that any fastening would have been placed on the outside."

So entstehen Fehlinterpretationen, auch von Seiten der Archäologen, weil einer dachte, es wäre praktischer (aus heutiger Sichtweise), wenn die Verschlüsse auf der Außenseite wären.

3) Anglo-Scandinavian Finds from Lloyds Bank, Pavement, and Other Sites

Seite 138: "From its general shape it is clear that this boot was worn on the right foot, with the toggle fastening on the inside."


Fehler 2: Die Schafthöhe reichte nicht! bis zum Knie. Auch nicht bei dreifachem Knebelverschluß. Sondern meist nur bis Wadenmitte.

 

Und nun viel Spaß beim Ansehen der Replikate.

 

 

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