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Bevor ich nun mit dem praktischen Teil anfange, kommt erst noch ein wenig Theorie, die mir wichtig erscheint, aber auch praxisbezogen ist.
Stoffe: Verwendet wird Wollstoff- oder Leinenstoff, aber keine Baumwolle. Wobei Leinen eigentlich auch nur für eine Darstellung der besseren Mittelschicht geeignet wäre. Leinen war bedingt durch Anbau (benötigte Ackerfläche hierfür) und der aufwändigen Verarbeitung zur Erstellung eines Fadens sehr teuer. Und Seide ist nur für eine sehr hoch gestellte Darstellung (Adel) angebracht.
Bitte beachten: Leinen läuft beim Waschen ca. +/- 10 % ein. Daher Leinenstoff, vor allem neuen, vor dem Verarbeiten einmal vorwaschen, am Besten bei mind. 60 Grad. Aber auch Wolle kann einlaufen und sollte evt. vorher gewaschen werden. Wollstoffe aber immer nur als Handwäsche oder in der Maschine im Wollwaschgang mit einem guten Wollwaschmittel kalt oder bei sehr geringer Temperatur waschen. Wenn man von Hand wäscht, den Wollstoff oder das Kleidungsstück nicht zu stark auswringen, da es sonst leicht verfilzen kann.
Farben: Naturfarben. Aber Achtung: nur Wolle läßt sich gut mit natürlichen Farben färben, bei Leinen ist es aufwändiger. Bei chemisch gefärbten Wollstoffen darauf achten, daß sie natürlichen Farben nahe kommen.
Nähen: Je nach Anspruch an die eigene Darstellung können nicht sichtbare Nähte ggf. mit der Maschine genäht werden, wobei sichtbare Nähte, wie z. B. Säume, immer von Hand genäht werden sollten.
Bei etwas dickerer Wolle empfiehlt es sich aber grundsätzlich, alles komplett von Hand zu nähen, da das handelsübliche Nähgarn oft zu dünn ist. Alternativ kann dafür dünnes Wollgarn oder Stopfgarn verwendet werden. Oder man zieht den Schußfaden vom Stoff heraus. Es ist zwar mühselig, aber bei viel Übung geht es immer leichter und schneller. Vor allem, wenn man die Fransen wieder kurz schneidet, sobald man merkt, das beim Herausziehen die Fäden schnell reißen, dann geht es recht einfach.Mit etwas Übung und Erfahrung hat man schnell heraus, wieviel Reihen man beim Stoff an Fäden ziehen kann, bis man wieder die Fransen kurz schneiden muß. Bei Leinenstoffen läßt sich der Schußfaden meist sehr leicht herausziehenm, außer bei altem Handgewebten Bauernleinen, da diese sehr fest und dicht gewebt wurden.
Tipp: Wollstoff = Wollgarn verwenden Leinenstoff = Leinengarn verwenden
Sticharten
Ich zeige hier einige Stiche und Nahtverbindungen von den Textilfunden aus dem Hafen, sowie der Siedlung und den Gräbern von Haithabu (nach: Inga Hägg). Wer mehr darüber wissen möchte, unter Quellen sind die Buchangaben zu finden. Diese Stiche und Nahtverbindungen bleiben nicht auf Haithabu beschränkt.
1) Überwendlichstich

Mit der Nadel durch den Stoff auf die andere Seite stechen, den Faden über die Stoffkante wieder zurück auf die vordere Seite führen und dann für den nächsten Stich wieder durch den Stoff stechen.
- als Nahtverbindung
Der Überwendliche Stich ist der am Meisten verwendete Stich gewesen und fand vor allem bei sämtlichen Nahtverbindungen Anwendung. Siehe dazu auch unter: Nahtverbindungen.
- als Saum, bei Nahtzugaben

Die Stoffkante einmal oder doppelt umschlagen und mit der Nadel durch alle Stofflagen stechen.
Anwendung: Säume, Nahtzugaben, Stoffkanten
- Rollsaum
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| Innenansicht |
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Außenansich |
Anwendung: bei schmalen Saumkanten
2) Heftstich

Der Heftstich, auch als Vorstich bezeichnet, fand nur sehr wenig Anwendung, aber niemals als reine Nahtverbindung. Wenn, dann immer in Verbindung mit dem Überwendlichstich.
Anwendung: z. b. beim Abnäher Hängerock, s.a. weiter unten
- mit Überwendlichstich
Zweireihige Naht. Den Saum einmal oder doppelt einschlagen und überwendlich festnähen. Die zweite Naht als Heftnaht nähen.
Zweireihige Nähte entstehen, wenn man z. B. Besätze an der Kante mit einem Heftstich festnäht.
3) Steppstich
Wie beim Heftstich nähen, aber am Nahtende wieder zurück nähen. Es entsteht so eine geschlossene Naht. Fand als Nahtverbindung keine Verwendung. Kann aber als Alternative zum Überwendlichstich benutzt werden.
4) Rückstich

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| Innenansicht |
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Außenansicht |
Durch den Stoff stechen und dann ein Stück weiter wieder nach oben. Nun aber mit der Nadel eine Stichbreite wieder zurück gehen und dann, wie zuvor, erst mit der Nadel von oben nach unten durchstechen. So entsteht auf der einen Seite eine geschlossene Naht, auf der anderen Seite entstehen sich überkreuzende Schlaufen. Auch dieser Stich fand keine Anwendung als Nahtverbindung.
Anwendung: Saum
5) Hexenstich
Anwendung: z. B. an der oberen Kante beim Trägerrock
6) Schlingenstich
Dieser Stich wurde im gesamten Fundgut nur einmal gefunden, und zwar beim Annähen eines Flickens bei einer Tunika.
7) Heftstich bei Abnäher
Den Stoff an gewünschter Stelle zusammenfalten und mit einem Heftstich abnähen.
Anwendung: Beim Hängerock, um das Kleidungsstück "auf Figur" zu bringen.
8) Überwendlichstich zum Einhalten von Stoffen

Anwendung: bei der Pumphose (Rushose).
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