Kleid

Im Stuttgarter Psalter gibt es nur wenige Abbildungen von Kleidern. Meist ist es dann eine adlige Darstellung. Aber hier kann man mehrere Beispiele sehen, zwei davon langärmelig. Leider kann ich selber nicht unterscheiden, welche der dargestellten Personen im Psalter der fränkischen und welche der sächsischen Kleidung zuzuordnen sind. Außerdem ist der Stuttgarter Psalter um 820/30 in Frankreich entstanden und der Einfluss der Kleidung wird im fränkischen Reich bestimmt stärker gewesen sein. Wobei auch der künstlerische Aspekt dieses Bilderpsalters, wie er auch gerne genannt wird, nicht vergessen werden darf. Auch muss berücksichtigt werden, das der Psalter eine Handschrift über das Neue Testament ist und evtl. orientalische Einflüsse in den Bildern hat. Denn  kreisförmige Motive in der Bildstickerei sind vor allem durch Funde aus Ägypten und Byzanz bekannt, wo dann die Kreise auch kunstvoll ausgestickt wurden. 

Deshalb habe ich schon starke Zweifel, wie weit verbreitet die charakteristischen Abb. mit den Besätzen sind, die fast alle Kreismotive haben. Wobei diese manchmal andersfarbig ausgefüllt sind und nicht klar ist, ob sie nicht auch mit Motiven ausgestickt worden sein könnten. Auch weiß ich nicht, wie weit die fränkische Mode bis in den Norden von Deutschland verbreitet war. Aber in Haithabu/Schleswig Holstein gibt es ein Fragment mit einem andersfarbigen Besatz. Haithabu lag an der Grenze zum sächsischen Gebiet und war sogar für kurze Zeit in sächsischer Hand. Meiner Meinung nach lässt es die Vermutung zu, das diese Art der Kleidung auch noch weit im Norden durchaus  bei den Sachsen getragen wurde. Ob auch Kleidung mit Besätzen getragen wurde, die mit Kreisen waren, lässt sich natürlich nicht daraus schließen.

Kleid mit einfachen Besätzen und mit Kreise
Kleid mit Kreisen auf den Besätzen


Diese Kleider hier sind in Anlehnung an die Bilder des Psalters entstanden. Sie bestehen aus einem leinenen Unter-
kleid mit Besätzen an den Ärmeln. Das Oberkleid ist aus Wolle. Typisch für die Kleidung aus dem Psalter sind der Längstreifen vorn.


mit kurzen Ärmeln
 
mit langen Ärmeln
 
 

   
Besätze mit Kreisen
   
 

Detail siehe karolingischer Schuh

Fund nach Vlaardingen, Modell 2

 

Ich hatte verschiedene Überlegungen angestellt, wie die Kreise auf den Besätzen entstanden sein könnten.

1) Borten in Brettchenwebtechnik mit eingewebten Kreisen. Dagegen spricht aus meiner Sicht, das a) manche Besätze sehr breit sind und b) an runden Kanten wie unten beim Saum oder Halsloch, auch wenn diese bei den Abb. oben noch recht gerade sind, in Falten liegen würden.

2) Kreise aus einem anderen Stoff ausschneiden und aufnähen. Eine Praxis aus der heutigen Zeit, habe aber starke Zweifel, dass es schon früher angewendet wurde.

3) Die Kreise in Nadelfilztechnik auffilzen. Auch Filzen ist eine sehr alte Technik.

4) Bildwirkerei. Das ist eine spezielle Webtechnik, womit vor allem Wandteppiche hergestellt wurden. Aber auch hier wären die Besätze immer gerade und würden an Rundungen in Falten liegen, vor allem, je breiter der Besatz ist, umso mehr.

5) Die Kreise aufsticken. Da Sticken ebenfalls eine uralte Technik ist, und ich auch nicht das Weben oder Nadelfilzen beherrsche, habe ich mich dafür entschieden. Ich habe mir die Stickereien vom Teppich von Bayeux angesehen, auch wenn dieser erst im 11. Jh. entstanden ist (er stellt Szenen aus der Schlacht von Hasting von 1066 dar). Und da wurden für die Ränder meist der Stilstich verwendet. Auch beim Osebergfund (9. Jh.) gibt es Seidenbänder, die mit Ornamenten ausgefüllte Kreise auf den Bändern haben. Auch hier ist der Stilstich angewendet worden. Der Stilstich ist eine Art Rückstich, nur das dieser schräg versetzt genäht wird.

 

   

 

Schnittmuster:

Ich habe hier noch mit Keilen an den Seiten gearbeitet. Wahrscheinlicher ist aber nach merowingischen Vorbild noch ohne Keile. Evtl. den Schnitt dann nach unten ein wenig weiter werden lassen oder seitliche Schlitze einarbeiten zu mehr Bewegungsfreiheit.

   

Die Besätze sind mit dem Heftstich und Überwendlichstich aufgenäht worden.

Siehe dazu auch hier unter 2) Heftstich - mit Überwendlichstich                                                                                                                                                 

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