Klappenrock

 

                    
Marcus Lehmann        

 

Der erste hier gezeigte Interpretationsversuch eines möglichen Schnittmusters von einem Klappenrockes aus "Die Textilfunden aus dem Hafen von Haithabu, von Inga Hägg" stammt noch von mir aus dem Jahre 2004. Hier wurden nur Fragmente vom unteren Teil des Klappenrockes gefunden. Die grau straffierte Fläche von Fragment H11 zeigt den pelzartigen Besatz an.

Bei den "Textilfunden aus den Gräbern und der Siedlung von Haithabu, von Inga Hägg" ist bei dem großen Fragment S28 ein Armloch zu erkennen. Damals war ich mir beim abgebildeten  Fragment beim Armloch nicht sicher, wie er zu gestalten ist. Es ist eine ausgefranste schräge Schnittkante zu sehen, die aber nach unten hin zur Seitenkante ein wenig rund ausläuft. Ich hatte damals schon in Erwägung gezogen, ein rundes Armloch zu gestalten, mich dann aber für die Armloch-schräge entschieden, zusätzlich inspiriert durch die abgebildeten Schnittmuster aus dem Buch „Praktische Kostümkunde nach Carl Köhler, 1926“. Aber die Fundlage aus dem Hafen in Haithabu zeigt anhand von Fragmenten einer Tunika und eines Lodenwams, dass das runde Armloch durchaus verwendet wurde. Und möglicherweise war deswegen der Klappenrock sogar mit Schulternaht. Des Weiteren war der Klappenrock aus der Siedlung und den Gräbern mit gerade verlaufenden Vorderteilkanten und Knöpfen zum Verschließen.

 

Eigene Umrisszeichnung Fragment S28, Seite 49:   Eigene Umrisszeichnung Fragment H11, Seite 74

                                     

 

 

 

 

       

 

    Pfeil = Fadenlauf (in Längsrichtung eines Stoffes = Kettfäden, Webkante)

 

Da der folgende Schnitt aber sehr einfach zu konstruieren ist und auch mit dem schrägen Armloch durchaus den fast selben Effekt hat, werde ich diesen weiterhin zeigen. Aber ich zeige hier auch ein mögliches Schnittmuster  mit dem runden Armloch und mit Schulternaht. 

 

Schnittmuster 1

                                 

 

Das Vorder- und Rückenteil ist aus einem Stück geschnitten, also ohne Schulternaht.

Das schräge Armloch kann auch gerade geschnitten werden, dann muß aber auch der Ärmel oben gerade sein.

Das hintere Halsloch ist gerade. Die Nahtzugaben werden hier und an der Schräge nach innen eingeschlagen und mit einem Überwendlichstich festgenäht.Oder besser noch, man näht einen Beleg an die Schrägkante und hintere Halslochkante. Denn sonst dehnt sich durch den schrägen Zuschnitt der vorderen Klappe der Stoff aus.

 

 

 

 

Dieser Schnitt ist eher dem heutigen Ärmel nachempfunden. Die Höhe der Armkugel entspricht der Tiefe des Einschnittes x beim oberen Schnittmuster. Bei einem geraden Armloch bleibt auch die obere Ärmelkante gerade (gestrichelte Linie).

     


Schnittmuster 2
mit rundem Armloch und Ärmel

Eigene Umrisszeichnung Fragment H11, Seite 74    

 

 

Pfeil: Fadenlauf/Fäden in Kettrichtung

                                                                                                                   

 

 

 

Bei diesem Schnittmuster sind die vorderen Kanten erst einmal gerade, d.h. der Zuschnitt ist im Fadenlauf (Pfeil, Längsrichtung eines Stoffes; Webkanten) und die unteren Kanten schräg im ca. 65 Grad Winkel geschnitten, wie im vorliegenden Fragment zu sehen. Aber beim Zusammennähen der Teile an den Schultern "drehen" sich die Vorderteile so, das sie schräg übereinander liegen. Der Vorteil bei diesem Zuschnitt ist, das die Vorderteilkanten sich nicht ausdehnen können im Gegensatz zum 1. Schnittmuster, da dort die vorderen Kanten schräg zum Fadenverlauf zugeschnitten sind und sich somit stark ausdehnen können. Aber auch hier können wieder Besätze (werden auf der Außenseite angenäht, wie z.B. der pelzartige Stoff im Fund), bzw. Beläge (liegen auf der Innenseite) und können zum Annähen von Futterstoff angenäht werden.

 

Schnittmuster 3
mit vorne gerader Kante und Knöpfen (Siedlungs-/Gräberfund Seite 49-51)

Eigene Umrisszeichnung S28, Seite 49: An den Löchern befanden sich vormals Knöpfe.

 

 

 

Schnittmusterzeichnung und Fotos sind in Planung und  folgen noch, möchte aber erst einmal den Schnitt selber ausprobieren, wenn ich denn mal genügend Stoff dafür habe...

An einigen Fragmenten befanden sich Reste von einem Futterstoff und Beläge, an denen dieser befestigt war. Und Reste von Daunen zeigen außerdem, das diese Kleidungsstücke auch mit einem Dauneninnenfutter sein konnten. Die aufgerauten, langflorigen Randbesätze an den vorderen Schrägen sehen wie ein Pelzimitat aus.
     

 

Rechteckmantel

                                                                  
Rene Paulsen    


Die Randkanten beim Fragment aus dem Hafen war mit einer Brettchenwebkante, vergleiche hier auch den Thorsbergmantel (Textilfunde der Eisenzeit in Norddeutschland von Karl Schlabow, Wacholtz Verlag)

Beim Siedlungs- und Gräberfund waren die Kanten schlauchförmig und mit Saum oder mit umgeschlagener
und abgenähter Webkante.

 

 

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