Tunika, Kaftan

 

Die Männerkleidung von Birka unterlag oft Einflüßen von Außen, insbesondere durch die Handelsbeziehungen und Austausch mit den östlichen Kulturen. Der Kaftan als Obertunika ist so ein Beispiel. Viele Entsprechungen dazu kann man u.a. im Russischen Raum finden. Die Untertunika dagegen scheint noch schlicht zu sein nach karolingischem Vorbild, also einfacher Tunikaschnitt, mit vermutlich seitlichen Schlitzen.

Gerade Textilien unterliegen stark der Verrottung, daher finden sich oft nur noch Spuren davon als Metallanhaftungen durch Korression. Sei es an den Fibeln oder dem Silber-/Goldraht in den Borten, um mal zwei Beispiele zu nennen. Desweiteren wird die Lage der einzelnen Funde in einem Körpergrab mit zur Rekonstruktion herangezogen. Im Falle der Männerkleidung sind das dann z.B. die Knöpfe, meist aus Bronze oder Brettchenwebbänder.

Die Belegung der Gräber wird eingeteilt in die ältere Phase und die jüngere Phase von Birka, welche das 10. Jh. war. In der 1, Phase war die Kleidung noch überwiegend aus Wolle, erst in der 2. Phase kam immer mehr Leinen auf. Seide kam vorallem als Untergrund als Band für Verzierungen vor, worauf dann broschierte Brettchenwebborte oder Posamente aus Silber oder Gold aufgebracht worden waren.

Nun zur Kleidung:
Alle hier gezeigten Beispiele sind, wie immer, nur Rekonstruktionsvoschläge anhand der Fundberichte aus Birka.

 

1) Untertunika

                                                              

 

Das  ist ein gerader Tunikaschnitt mit seitlichen Schlitzen, der unter dem Kaftan getragen werden kann. Die Schultern können gerade sein oder leicht abgeschrägt

 

2) Kaftan

Es gibt 2 Arten der Kaftane. Einmal den ful-cut  chaftan/Kaftan, der vorne komplett durchgehend offen ist und den semi-cut chaftan/Kaftan, der vorne nur bis zur Taille geschlitzt ist. Da aber dieser erst im 11. Jh. aufkam, zeige ich hier die 1. Form, da ich der Meinung bin, dass es wahrscheinlicher war aufgrund der Besiedlungsphase in Birka, 2. Phase 10. Jh.

Der full-cut Kaftan ist ein Mantel, der über die Knie reicht, und wurde vorne bis zur Taille zugeknöpt, der Rest blieb offen. Über die genaue Länge kann ich nichts sagen, aber der fast bodenlange Kaftan kam erst später auf. Daher denke ich, dass es möglicherweise bis maximal Wadenmitte ging. Hinweise auf einen Gürtel  fand ich für Birka nicht. In den Gräbern sind unterschiedlich lange Reihen von Knöpfen gefunden worden. Das wenigste waren 2 Knöpfe, die längste Reihe bestand aus 18 Knöpfen, die noch unterteilt waren in 6 Gruppen á 3 Knöpfe. Genauso unterschiedlich viele Bänder gab es, die quer lagen auf der vorderen Körperseite.

Dann gibt es noch einen Fund von Bänder, die womöglich ein darunter liegendes Stoffstück in der Größe von ca. 10 cm x 35 eingefasst haben, und auf einer Körperseite lag. Eine Ecke davon lag am Kinn, die andere gegenüberliegende Ecke lag an der Taille. Das läßt mich vermuten, dass es ein aufgenähter Besatz ist, der auf einer Seite eines Kaftans an der Öffnung lag. Dementsprechend könnte dann auf der anderen Seite ebenfalls ein Besatz gewesen sein.

 

             

 

 

 

 

 

                         
nur mit Bändern und Knöpfen   Detailbild: Bänder links
und rechts an der vorderen
Kante mit Knopf
  mit eingefasstem Besatzstreifen und Bändern und Knöpfen

 


Schnittmuster

Das folgende Schnittmuster ist typisch für die Schnitte aus dem östlichen Raum, insbesondere dem russischen Teil.

Nun gibt es 2 Möglichkeiten des Zuschnittes. Entweder das Mittelteil ist aus einem Stück geschnitten (gepunktete gerade Linie), da wird dann vorne in der Mitte ab dem Kopfloch ein durchgehender Schlitz geschnitten. Oder das Schnittmuster wird getrennt in Vorderteil und Rückenteil mit Schulternaht (schräge Linie). Das Vorderteil kann dann in 2 Teilen zugeschnitten werden. Vorteil: es können Nahtzugaben an den Kanten gegeben werden, die dann nach innen  umgelegt und überwendlich festgenäht werden. Die vorderen Kanten liegen dann auch eng aneinander. Bei der geschlitzen Version müßen die Kanten ebenfalls umgelegt und überwendich festgenäht werden. Da sollte aber knapper gearbeitet werden, damit nicht zu viel Stoff in der Weite verloren geht.

 

        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter dem Ärmel wird ein Zwickel eingenäht.
Das ist ein quadratisches oder rautenförmiges Stoffteil,welches mittig gefaltet an den Seitennähten und der Unterarmnaht angenäht wird.

Vorne einschneiden    

 

 

 

 

 

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