Kleid und Hängerock


Im Gegensatz zur Männerkleidung, die sich stark an ihren östlichen Nachbarn ausrichtete, wie zu sehen beim Kaftan z.B., und auch sehr protzig war, war die Kleidung der Frauen noch eher traditionell ausgerichtet. Der Kleiderstil war noch etwas einfacher vom Schnitt.
Zum 10. Jh. hin, also der 2. Phase von Birka kam ein Wandel auf von Wollkleidern hin zu mehr Leinenkleidern, auch für den Hängerock.

Die Schichtenfolge für die Kleidung war Unterkleid, Hängerock und Oberkleid/Mantel. Es wurden fast immer 3 Fibeln vorgefunden. Die Schalenfibeln/Schildkrötfibeln und mittig dazwischen die Kleeblattfibel. Diese könnte entweder den Schlitz beim Unterkleid verschlossen haben, wobei auch Ringfibeln vorgefunden wurden, aber die Lage spricht auch für einen Veschluß von einem Mantel.

Es wurden viele Seidenbänder gefunden, die unter, über oder zwischen den Schalenfibeln lagen. Also am Unterkleid, am Hängerock oder am Mantel?

 

1) Kleid

Meistens war es glatter Stoff, aber auch feinfältiger, also plissierter Stoff, kam in Frage. Ich denke nicht, dass diese Falten durch Faltenlegung zustande kam, indem Fäden in feinen Abständen neben- und untereinander durchgezogen wurde und dann durch Ziehen der einzelnen Fäden die Falten entstanden, die dann durch Heißes Waschen und Trocknen fixiert wurden. Denn dann müßten die Ziehfäden sehr exakt genäht werden, sowohl in Abstand wie auch in Reihe, und das ist sehr aufwändig, wenn überhaupt so machbar, da ja das Ganze Kleid so vorbereitet werden müßte. Und es müßte im Vorraus schon berechnet werden, wie breit der Stoff vor dem Fäden nähen sein muß, damit für das eigentliche Kleid genügend Stoffbreite vorhanden ist. Außerdem müßten die Fäden noch fixiert werden, denn werden die Fäden wieder entfernt, ist der Stoff spätestens nach der nächsten Wäsche wieder glatt. Aber es gibt auch noch sogenannte Webplisseee. Die Kräuselung wird schon beim Weben erzielt. Und dieses Plissee ist haltbar. Aber in den Museen wird die gefältete Version gezeigt, die aber nur oben in Falten liegt. Daher kann es auch hier keine eindeutige Aussage zu geben, wie es wirklich aussah.

 

                                                                                                   
        

 

 

   Kleid 1    Kleid 2, plissiert                   Schnittmuster

 

2) Hängerock

In den Schalenfibeln wurden meistens 2 Schlaufen gefunden, die oft aus Leinen waren. Dazwischen konnte noch ein gewebtes Band liegen.  Die ersten Rekonstruktionsversuche waren damals, dass es sich um ein rechteckiges großes Stück Tuch handelte, welches um den Körper gewickelt und vorne und hinten mit den Schlaufen an den Fibeln gehalten wurden. Davon ist man inzwischen gekommen. Das rechteckige Fragment aus Birka zeigt Nahtspuren auf, somit ist dieses Teil nicht lose zwischen den vorderen Teilen mit Schlaufen eingehängt, sondern bildet auch hier ein rundum geschlossenes Kleidungsstück. Als Vergleichsfund wird dann auch die ebenfalls geschlossene Variante aus dem Hafen von Haithabu hinzugezogen. Dort fand man ein trapezförmiges Teil mit Abnäher, Seitennaht und Rückennaht.

 

                               

 

         

 

                                               

 

 

 

 

 

 

 

 

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