| Tunika |
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Ab ca. dem 9./10. Jh. wurde im nordeuropäischen, skandinavischen und angelsächsischen Raum die körperbetonte, enganliegende Tunika immer beliebter, wie sowohl die Fundlage vor allem in Haithabu, aber auch bildliche Darstellungen belegen. Auf dem Teppich von Bayeux sind noch zahlreiche solcher Tuniken zu sehen, auch wenn dieser aus dem 11. Jh. stammt und der untere Teil der dort abgebildeten Tuniken, auch als "Schoß" oder "Röckchen" bezeichnet, schon erheblich weiter ausgestellt waren. Aber ich zeige hier auch noch den einfachen Schnitt mit seitlichen Schlitzen oder seitlichen Keilen. Tunika 1
Ich hatte für Werla 2005 diese Tunika für eine ottonische berittene Darstellung genäht, mit 2 Schlitzen vorne, wobei ich da noch ohne rundem Armloch gearbeitet hatte. Die Ärmel sind in diesem Falle hier geschoppt, also überlang.
Hier noch ein Link als bildichen Vergleich für die geschlossene und geschlitze Form dieser Tunika aus dem Bildteppich von Bayeux., wie man es im rechten Teil gut erkennen kann.
Ärmelschnitt: Der Ärmelfund aus dem Hafen von Haithabu besteht aus 3 Teilen, wobei ich vermute, das die Teile a und b des Ärmels nachträglich eingesetzt wurden. Diese befinden sich im unteren seitlichen/hinteren Bereich, wo die Abnutzung und somit auch der Verschleiß beim Gebrauch eines engen Ärmels stärker ist, insbesondere im Ellbogenbereich (Teil b). Auch Inga Hägg schließt es im Fundbericht (Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu, S. 55) nicht aus. Desweiteren ist der obere Ärmelteil stark ausgefranst, so das die Armkugel nicht mehr vollständig zu erkennen ist. Dies ist ein Rekonstruktionsvorschlag vom Ärmel. Es sieht aus wie eine frühere Entwicklung der späteren engen Ärmel des Hoch- und Spätmittelalters. Wobei da dann noch Keile mit engearbeitet sind. Ein Beispiel hierfür wäre der Herjolfsnes Fund eines Kleides des 13. Jh. (siehe auch Inga Hägg, Die Textilfunde aus dem Hafen, Seite 172, Abb. 3 a-b). In dieser Rekonstruktion gehe ich davon aus, das der Ärmel aus einem Stück war und die Teile a und b erst später eingesetzt wurden.
Der Ärmel wurde als "Teerlappen" mißbraucht und somit sind Schrumpfungen oben und unten am Ärmel vorhanden. Für oben werden 37,5 % und unten 25 % angegeben. Desweiteren ist der obere Teil vom Ärmel nur noch unvollständig vorhanden, so das man nur vermuten kann, wie weit es an der Achsel war und wie die Armkugel aussah. Aber ausgehend von der Schnittrekonstruktion von Inga Hägg und um sich eine Vorstellung davon machen zu können, gebe ich ich hier mal die von mir ausgerechneten Maße an.
1) Ärmelsaum = 28 cm Gesamte Amlänge ohne vollständiger Armkugel = 58 cm Der Ärmel entspricht somit einer heutigen Größe S oder auch Gr. 44/46. Daher muß der Ärmel ggf. seinen eigenen Maßen angepaßt werden. Rekonstruktionsvorschlag 2 Ein weiterer Rekonstruktionsmöglichkeit wäre, das die Teile a und b bewußt eingesetzt wurden, um dem Ärmel eine bogenförmige Form zu geben. Die Nähte würden dann wie Abnäher genäht sein. Aber das kommt später, ist also noch in Planung...
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