Haithabu Tunika
Tunika

Ab ca. dem 9./10. Jh. wurde im nordeuropäischen, skandinavischen und angelsächsischen Raum die körperbetonte, enganliegende Tunika immer beliebter, wie sowohl die Fundlage vor allem in Haithabu, aber auch bildliche Darstellungen belegen. Auf dem Teppich von Bayeux sind noch zahlreiche solcher Tuniken zu sehen, auch wenn dieser aus dem 11. Jh. stammt und der untere Teil der dort abgebildeten Tuniken, auch als "Schoß" oder "Röckchen" bezeichnet, schon erheblich weiter ausgestellt waren.

Aber ich zeige hier auch noch den einfachen Schnitt mit seitlichen Schlitzen oder seitlichen Keilen.

Tunika 1


Tobias Hoffs
          
Thorsten
Tunika mit seitlichen Schlitzen und Hose Tunika mit seitlichen Keilen, Pluderhose


Schnittmuster
einfacher Schnitt

            Die Tunika besteht aus zwei rechteckigen Stoffbahnen mit gerader oder leicht angeschrägter Schulter. Das Halsloch kann weit oder eng sein, wobei bei einem engen Ausschnitt ein Schlitz eingearbeitet werden muß. Sonst kommt man mit dem Kopf nicht mehr durch. Die Seiten der Tunika können mit einem Schlitz oder Keile sein. Die Länge reicht durchschnittlich bis Mitte Oberschenkel.


Tunika 2


Claus Meiritz
                                                           
Ich hatte für Werla 2005 diese Tunika für eine ottonische berittene Darstellung genäht, mit 2 Schlitzen vorne, wobei ich da noch ohne rundem Armloch gearbeitet hatte. Die Ärmel sind in diesem Falle hier geschoppt, also überlang.


In Höhe der Taille war eine Trennnaht mit angesetzen Keilstücken. Die Länge dieser Tunika reichte durchschnittlich ebenfalls bis Oberschenkelmitte oder etwas länger. Die Ärmel lagen schon enger an und hatten möglicherweise am Ärmelsaum einen Schlitz. Beim Tunikafund in Haithabu gab es noch einen Schlitz im unteren seitlichen Bereich, der als möglicher Tascheneingriff gedeutet wird. Was auch insofern Sinn machen würde bei einer Gürteltasche/Rolltasche (s.u. Ledersachen), wenn sie unter der Tunika getragen wurde. Desweiteren machen Schlitze bei einer Reiterdarstellung zu Pferde Sinn.


Schnittmuster
figurnah mit Taillennaht

              

Die Trapezförmigen Keile werden zusammengenäht und dann an die untere Kante der Tunika angenäht. Dabei muß die Gesamtlänge der oberen kürzeren Seite der Keile gleich sein mit der Unterkante des Tunikaoberteils.

Um eine körpernähere Form zu bekommen, die Weite der Tunika an die eigenen Maße anpassen. Wobei hier die Seitennaht nicht unbedingt gerade verlaufen muß, wie abgebildet.

Dazu entweder ein Probeteil aus einem anderen Stoff nähen und/oder am eigentlichen Tunikateil die Seitennähte nach dem ersten Zusammennähen mit Stecknadeln abstecken, abzeichnen und an der neuen Linie vernähen. Dabei aber darauf achten, das es nicht zu eng wird, damit man die Tunika auch wieder an- und ausziehen kann.

Ärmelschnitt:

Ich habe den Ärmelschnitt ein wenig vereinfacht. Der Originalfund besteht aus zwei Teilen. Wobei es mir noch nicht gelungen ist, diesen zu rekonstruieren, ist aber weiterhin in Planung...

                               

Bei diesem Schnitt liegt  die Armnaht  oben.

 


                               Seitenansicht mit Schlitz

nach: Inga Hägg, die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu

 

 

 

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