| Klappenrock, Mantel |
Der erste hier gezeigte Interpretationsversuch eines möglichen Schnittmusters von einem Klappenrockes aus "Die Textilfunden aus dem Hafen von Haithabu, von Inga Hägg" stammt noch von mir aus dem Jahre 2004. Hier wurden nur Fragmente vom unteren Teil des Klappenrockes gefunden. Die grau straffierte Fläche von Fragment H11 zeigt den pelzartigen Besatz an. Bei den "Textilfunden aus den Gräbern und der Siedlung von Haithabu, von Inga Hägg" ist bei dem großen Fragment S28 ein Armloch zu erkennen. Damals war ich mir beim abgebildeten Fragment beim Armloch nicht sicher, wie er zu gestalten ist. Es ist eine ausgefranste schräge Schnittkante zu sehen, die aber nach unten hin zur Seitenkante ein wenig rund ausläuft. Ich hatte damals schon in Erwägung gezogen, ein rundes Armloch zu gestalten, mich dann aber für die Armlochschräge entschieden, zusätzlich inspiriert durch die abgebildeten Schnittmuster aus dem Buch „Praktische Kostümkunde nach Carl Köhler, 1926“. Aber die Fundlage aus dem Hafen in Haithabu zeigt anhand von Fragmenten einer Tunika und eines Lodenwams, daß das runde Armloch durchaus verwendet wurde. Und möglicherweise war deswegen der Klappenrock sogar mit Schulternaht. Desweiteren war der Klappenrock aus der Siedlung und den Gräbern mit gerade verlaufenden Vorderteilkanten und Knöpfen zum Verschließen.
Da der folgende Schnitt aber sehr einfach zu konstruieren ist und auch mit dem schrägen Armloch durchaus den fast selben Effekt hat, werde ich diesen weiterhin zeigen. Aber ich zeige hier auch ein mögliches Schnittmuster mit dem runden Armloch und Schulternaht.
Beleg:
Eigene Umrißzeichnung Fragment H11, Seite 74 Pfeil: Fadenlauf/Fäden in Kettrichtung
Bei diesem Schnittmuster sind die vorderen Kanten erst einmal gerade, d.h. der Zuschnitt ist im Fadenlauf (Pfeil, Längsrichtung eines Stoffes; Webkanten) und die unteren Kanten schräg im ca. 65 Grad Winkel geschnitten, wie im vorliegenden Fragment zu sehen. Aber beim Zusammennähen der Teile an den Schultern "drehen" sich die Vorderteile so, das sie schräg übereinander liegen. Der Vorteil bei diesem Zuschnitt ist, das die Vorderteilkanten sich nicht ausdehnen können im Gegensatz zum 1. Schnittmuster, da dort die vorderen Kanten schräg zum Fadenverlauf zugeschnitten sind und sich somit stark ausdehnen können. Aber auch hier können wieder Besätze (werden auf der Außenseite angenäht, wie z.B. der pelzartige Stoff im Fund), bzw. Beläge (liegen auf der Innenseite) und können zum Annähen von Futterstoff angenäht werden Schnittmuster 3 mit vorne gerader Kante und Knöpfen (Siedlungs-/Gräberfund Seite 49-51) Eigene Umrißzeichnung S28, Seite 49: An den Löchern befanden sich vormals Knöpfe.
Schnittmusterzeichnung und Fotos sind in Planung und folgen noch, möchte aber erst einmal den Schnitt selber ausprobieren, wenn ich denn mal genügend Stoff dafür habe... An einigen Fragmenten befanden sich Reste von einem Futterstoff und Beläge, an denen dieser befestigt war. Und Reste von Daunen zeigen außerdem, das diese Kleidungsstücke auch mit einem Dauneninnenfutter sein konnten. Die aufgerauhten, langflorigen Randbesätze an den vorderen Schrägen (Fragment H11, graue Fläche) deuten womöglich auf ein Pelzimmitat hin.
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Klappenrock, Mantel












